Verschwörungstheorien. Aus dem Leben einer Garderobenfrau – „Gute Besserung – wenn die Pharmaindustrie nichts verdient“.

Verschwörungstheorie theme

Blaumachen, das „Fuck you system“ der Arbeiter- und Strebergesellschaft.
Manchmal der Schutz vor Burnout, oder einer Depression. Manchmal das Leben, welches ruft: „Sieh die Welt mit Gottes Augen!“. Würde Gott freiwillig um 6:00 Uhr aufstehen und in den Spiegel schauen, während er sich schlafwandelnd Kaffee einleitet um dann 8 Stunden zur Arbeit am Fließband zu gehen? Oder in ein Büro? Würde er nicht einfach den Sonnenaufgang, die Natur und Wunder betrachten um aus und mit ihnen neue zu schöpfen? Statt Scheiße löffeln? Gibt es einen Gott und bräuchte der einen Krankenschein? Ich brauchte mal so einen Schein.

„Und bessere Dich!“ sagte Sie, inklusiver nonverbale Blinkepfeile auf das Ausrufezeichen.
Zum Abschied wirkte das wie der doppelte Preis, den man zu zahlen hatte.
Das schwere Los der Lösung. Ich war mit dem Lottchen einen heben, na und?!
Das Beste vom Ganzen ist auch nur Entweder, oder Oder.
Entweder ein gering schwindender Anteil, oder Alles. Alles oder Nichts.
Ich habe Beides. Ich lad‘ uns drei zu einem Erdbeereis ein und führe ein Streitgespräch über die Wahrscheinlichkeit, echte Erdbeeren in diesem Sahnepamphlet zu finden. Es steht 50:50, als ich mich für eine Stimmenenthaltung entschließe, da ich es nicht entscheiden will – es schmeckt einfach seltsam. Wie sie mich über die Brillenränder vorausschauend anblickte.
Noch immer hallten ihre Worte echolog an meine Gehirnwindungen.

Ich flüchte aus dem Straßencafe-Schaufenster auf die andere Seite der Straße. Ein älterer Herr beschimpft mich über die Verrohung der Jugend, Keiner schaue mehr nach rechts, oder links. Ich helfe ihm, die Mitte vom Fahrradweg zu räumen und pflichte ihm bei, obwohl ich diesen Keiner nicht kenne. Im Kopf gründe ich Anti-Antibewegungen und denke mir: „Dieser Gandhi hat es sich einfach zu einfach gemacht. Während dessen kackt der Hund des immer noch schimpfenden Mannes mitten auf den neuen Fahrradweg.

Sie sagte ja sonst eher so was wie „Na, gute Besserung!“ oder
„Klären wir das mal ab, wird schon gut sein!“. Stets freundlich, weniger kompetent, mehr so nur Krankenschein. Ich zog mir die Kapuze über, wenn mich die von ganz oben hier flanieren sehen.
„Scheeeeiße“
In Zeitlupe zog dieses Scheiße an uns vorbei und klebte an einem chromglänzenden 5-Sterne-Rad.
„Da sehen sie, das mein‘ ich, wie die sich ausdrücken. Furchtbar. Und dann rasen die einen fast um.“
„Wuff“, hechelte der Häufchentäter hinter her.
„Bettruhe!“, antwortete ich und wandte mich ab, Richtung Süden.
Mein Krankenschein halbzerknüllt und schweißdurchtränkt flatterte im Sommerwind.
Hauptsache, dass es sich gut anfühlt – für heute wieder frei sein, wie ein Kind.
Die Freiheit des Blaumachen.
Der Gesellschaft kurz den Rücken kehren, liegen gebliebene Dinge klären,
selber liegen bleiben, in sich, oder ausgehen. Kraft tanken.
Licht am Ende des Tunnels sehen. Rebellion im Kleinen.
Einen Stern durch mein Chaos pressen.
Besser geht immer. Besser ist heute so – morgen sicher anders. Des Guten Feind, der ewige Kampf. Gut, besser, am besten. Der Beste macht bitte das Licht aus.
Leistungsdruck ist, was mich diesen Weg gehen ließ.
Mehr als gut ist schon wieder schlecht. Wenn es mir nicht gut geht, geht es mir dann schlecht?
Ist Krankheit immer schlecht? Gut oder schlecht?
Ich hab Beides. Wir drei wechseln erneut die Straßenseite und nehmen den letzten Zug zum Strand. Das bessere Leben – da liegt es, Sonnencreme triefend, im Schweiße der ehemaligen Kohleabbaugebieten vor der Stadt. Neben dem Kraftwerk droh(n)t die Pyramide des Vergnügungsparks. Ein Affe, wer Böses denkt. Freidenkern werden selten die Möglichkeiten gewürzt. Ich verbleibe gekürzt mit folgenden Worten:
Heilung ist, was Du daraus machst.
Bessere Dich, impliziert ja nicht automatisch, dass vorher Alles schlecht war, oder schon mal dauerhaft gut. Das Leben ist ein Auf und Ab zwischen Musterautomatismen und intergalaktischem Sozialkosmos. Wunder gibt es immer wieder. Man gönnt sich zwischendurch Auszeiten und macht´s besser, wenigstens für sich selbst.

Gekürzt bereits erschienen im Zucker Magazin Ausgabe 24.

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Veröffentlicht von

520universum

Hier schreibt, fotografiert und singt das 520 Universum über das Leben, dich und sich selbst. Für die Menschen, die gern zwischen den Zeilen lesen.

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