Offener Brief an die Leipziger Verkehrsbetriebe – Warum nicht mal ein bisschen (R)Evolution?!

In Zeiten von EU-genormten Bordsteinen muss man sehen, wie man auf dem Gleis bleibt. Schusssichere Scheiben, Computerausfälle, Chaosverkehr und Schwarzfahrer, Mindestlohntarif und steigende Lebenskosten, verständlich, dass die Ticketpreise erneut steigen. Weniger verständlich ist für mich, dass man auf die Servicekräfte so wenig wert legt, dass diese erst über ABM gefördert und dann wieder völlig abgeschafft werden. Dafür hat mein Kontrolleur jetzt zwei Kollegen und ich treffe ihn mehrmals die Woche. Der Busfahrer, der letztens so schön in der Linie 60 alles abbremste, was ging, war die Krönung. Vermutlich fühlt er sich zurecht unterbezahlt und gestresst. Woraufhin ungefähr 10 Passagiere ihn beschimpften, allein während meiner Fahrt.
„Hast’e denn dein‘ Führerschein uff der Kirmes gewonnen?“ und „Dir haben’se doch ins Gehirne geschissen!“ waren der Durchschnitt der Inhalte.

Mir war nach mehreren Stationen einfach nur schlecht! Ein Anruf beim Servicecenter der LVB führte mich eine halbe Stunde in eine ergebnislose Warteschleife.
Einen Kontrolleur wollte ich letztens schon fragen, ob er seine Menschlichkeit vergessen hat, als er die Rentnerin neben mir mit einem Strafzettel belegte, weil sie zwar ein aktuelles Sozialticket hatte, aber der „Leipzig-Pass“ abgelaufen war, ein paar Tage! Rentnerin!!! Für die Frau eine Erniedrigung, sie versuchte die Situation mit Humor zu entspannen, indem sie meinte: „Na, deinen Rentenbescheid will ich mal sehen!“.
Und jetzt kommt die Höhe.
Da rennt man zum Monatsende (das, was finanziell zwischen dem 7. und 10. bei manchem Bürger beginnt) los, um das neue Ticket zu erwerben und erlebt sein kleines, persönliches Groundzero. Nicht nur die Frechheit, dass man in aller Öffentlichkeit auf der Schaltfläche eine 6-stellige Nummer angeben muss, hinzu kommt dann diesen Monat noch ein Fahrpreisplus von drei Euro.

Aha! Die Leipziger Verkehrsbetriebe erhöhen das Leipziger-Mobil-Pass-Ticket um 10% …
Statt 29,50 Euro verlangt man jetzt dreist und ohne Erklärung 32,50 Euro.

Wissen Sie, wenn die Linie 80 oder irgendein anderer Bus oder Bahn mal wieder nicht kommen, quietschen oder klappern, mir nicht Bescheid geben, wo die nächste Haltestelle ist oder einfach vorbeifahren und mich dann der Fahrer anschreit: „Müssen se mal eher drücken!“, kann ich das ertragen. Wird es ungerecht, fehlen mir nicht die Worte! Ihre Pseudotechnik ist Schrott, Ihre Busse bestimmt nicht alle zulässig mit einer grünen Umweltplakette versehen, und dass Sie ständig den Preis in die Höhe treiben, ist einfach nur dreist! 10 Prozent auf ein Sozialticket – nur in Verbindung mit einem „Leipzigpass“ erhältlich.

Ich hab da eine revolutionäre Idee!

Liebe Leipziger Verkehrsbetriebe,
bitte reden Sie mit der Stadt und den Gemeinden drumherum. Werden Sie ein Verein der Menschlichkeit! Jeder Leipziger und Umländer (möglich wäre auch eine Art Kurtaxe für Touristen) darf eine Jahrespauschale/-steuer von 5 bis 20 Euro zahlen und dafür jederzeit kostenlos fahren. Das wäre nicht nur umweltfreundlich, es wäre auch ein Zeichen für eine Stadt, die für Weltoffenheit und Zukunft steht. Was dann finanziell fehlt, wäre doch ein Anreiz für größere Leipziger Unternehmen auszugleichen. Werbeaktionen oder Greenwashing für Porsche zum Beispiel =) , Veranstaltungen gestalten mit Eintrittsgeldern, die wieder Ihnen zufließen. Zerkloppte Fahrkartenautomaten, unfreundliche Fahrgäste und Mitarbeiter, Existenzängste, all‘ das könnte der Vergangenheit angehören.
Ich hätte da noch einige Ansatzpunkte.

Grüße, das Entfant terrible.

update es gibt Antwort Re: Offener Brief an die LVB

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Veröffentlicht von

520universum

Hier schreibt, fotografiert und singt das 520 Universum über das Leben, dich und sich selbst. Für die Menschen, die gern zwischen den Zeilen lesen.

2 Gedanken zu „Offener Brief an die Leipziger Verkehrsbetriebe – Warum nicht mal ein bisschen (R)Evolution?!“

  1. Mein Lieblingsmoment ist immer der, wenn ich auf eine verspätete Straßenbahn warte (ärgerlich, aber verkraftbar) und die dann OHNE NIEDRIGFLURWAGEN um die Ecke biegt. Und ich so, yay, Kinderwagen drei Stufen hochhieven! Und die Omma hinter mir gibt lieber gleich auf und wartet auf die nächste.

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