Offener Brief an die #Elfies-Macher (Eltern, die ihre Kinder fotografieren und ins Netz stellen)

 

Kleines Gedankenspiel (nichts für schwache Nerven): Angenommen ich habe an die 800 Facebookfreunde, davon sind 400 Freunde Eltern von Kindern. Angenommen unter denen befinden sich 71 %, die sagen Kinderbilder im Netz sind okay und diese fleißig posten. Angenommen ich bin ein Arschloch, verdiene mein Geld mit Bildchen im Internet und hab‘ Kunden, die finden kleine Jungs ganz toll. Angezogen oder nicht. Ich könnte sie bedienen und das nicht zu knapp.

„So sind doch meine Freunde nicht drauf!“, sagst Du vielleicht, aber legst Du auch noch die Hand für die Freunde deiner Freunde ins Feuer? Ist dir eigentlich die rechtliche Sachlage bekannt und was es noch für Folgen mit sich bringt. Babys sehen alle schrumpelig aus, aber irgendwann werden sie selbstständige Wesen und dann finden sie Kinderbilder – von sich im Netz – nicht um jeden Preis genauso prickelnd, wie die Eltern es tun.

Der Egon, das erste Mal in der Ostsee, Clara im Sandkasten und Chantalle-Luise beim Eis schlecken. Für Dich schöne Erinnerungen und auch mir geht dabei ein Herz auf, aber was ist, wenn Egon mit 14 dann postet, wie seine Mudda mit 50 im Pool aussieht, Clara ihr niedliches Gesicht, wenn sie keine Taschengelderhöhung bekommt und Chantalle postet ihre richterliche Unterlassungserklärung gegen die Eltern?
Immer noch überzeugt?

Ihr lehrt Euren Kindern den „richtigen“ Umgang mit dem Netz. Wenn Du als Mutter oder Vater schon ständig mit Deinem Kind Likes sammelst, darfst Du Dich nicht wundern, worüber es später bloggen wird. Siehe Miley Cyrus und ihre mitleidserregende Sexdarstellung. Leute, das ist nicht open minded, das ist therapierbar!

Und wie fühlt man sich, wenn die eigene Familie die Kinderfotos aus dem staubigen Kasten holt und das ist dann meist nur innerhalb der Familie oder vor dem Partner. Man stelle sich vor, man teilt sie im Netz. Mobbing sollte doch kein Fremdwort mehr sein für unsere aufgeklärte Gesellschaft. Eure Kinder werden älter und haben Rechte.

Ganz genau formuliert: Kinder haben spätestens mit 14 ein eigenes Mitspracherecht, davor nehmen Eltern die Personenschutz- und Bildrechte wahr. Außer auf öffentlichen Veranstaltungen, doch selbst da darf niemand wild Portraits oder Einzelbilder einfach so schießen.

So und nun hab‘ ich mal ein paar Vorschläge, wie man stilvoll mit dem Thema umgehen könnte.
Bei jedem Statuspost auf Facebook gibt es eine „nur ich“-Option der Sichtbarkeit. Bei Fotos kann man dann gezielt einzeln, weitere Personen angeben, die es auch sehen können. Tolle Funktion, so kann die Oma, der beste Freund und Onkel alles sehen. Arbeitskollegen und Zufallsbekanntschaft und Exfreundin bleiben draußen.

Warum nicht mal kreativ werden? Muss denn das Kind überhaupt ganz zu sehen sein? Bastelergebnisse, die dreckige Spielhose oder das Seepferdchen (Abzeichen für die bestandene Schwimmprüfung) bringen bestimmt genauso viele Likes, schaden aber euren Kindern nicht annähernd wie Elfis.

Oder wie wäre es mit einem klassischen #Smelfie? Dabei reiche man dem Papa eine volle Windel und lässt ihn mal schnuppern.

Wir wissen noch nicht, wie sich das Sozialexperiment „online“ auf ein komplettes Leben auswirken wird, dazu befinden wir uns noch zu sehr in den Entwicklungsphasen. Wer dennoch sein Kind vor einer Kamera sehen will (vorausgesetzt das Kind will das auch), der sollte vielleicht darüber nachdenken sein Kind ganz bewusst für das „Model stehen“ anzumelden, oder bei einem Filmcasting vorsprechen zu lassen, zumindest ist dann (bei seriösen Firmen) das Bildmaterial vor fremden Händen geschützt und rückwirkend die Quelle nachprüfbar. Allerdings, ich persölich find auch das scheisse und den Missbrauch von Kinderbildern stoppt das leider auch nicht.

Und jetzt macht jeder weiter, wie er denkt. Danke für die Aufmerksamkeit.

Grüße das Entfant terrible

 

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Veröffentlicht von

520universum

Hier schreibt, fotografiert und singt das 520 Universum über das Leben, dich und sich selbst. Für die Menschen, die gern zwischen den Zeilen lesen.

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