TOP 10 MUSIKVIDEOS „aus und mit der DDR #1“

Die Puhdys wurden mit einem Echo für ihr Lebenswerk soeben geehrt. Zurecht – einer der größten Musikexporte der Deutschen Demokratischen Republik (1949 – 1990) mit ausstehender Rocker-Rente.

Man zweifelte auch in der DDR stark an moderner Popmusik, der Beat war mies 😉 und das „Yeahyeahyeah“ monotoner Dreck.

Videos waren genormt und experimentell und zumeist Fernsehsendungen wie ‚Bong!‘ vorbehalten. Eine persönlichere Liste mit Songs, die mich in der DDR erreicht haben, soll folgen. Diesmal dreht es sich um eine Auswahl (zugegeben eine kleine, erste Auswahl) Stars und Sternchen, die in der DDR verfilmt und staatlich abgenommen wurden, oder lediglich eine Spielerlaubnis hatten. Erinnerung und Andenken an vergangene Zeiten. Gute und schlechte…

10. Inka Bause – Spielverderber
Die illustre Inka Bause interviewt heutzutage liebesbedürftige Bauern und siegessichere Supertalente, dabei hatte sie im Osten schon mit 17 Jahren Helene-Fischer-Status. Ihr Vater Arndt Bause war angesagter Komponist und so blieb vorerst die Produktion unter elterlicher Aufsicht. Doch scheinbar stimmig, der Plan geht immer noch auf. Inka moderierte bereits im OstTV die Show ‚Talentebude` (eine Talenteshow ohne Dieter Bohlen). Dabei trägt sie das größte Talent wohl in sich selbst. Sie spielt Geige, hat auch Gesang studiert und besitzt diese freundliche Art, die bei anderen nur gekünstelt daher kommt. Sie war Dauergast der Fernsehhitparade ‚Bong!‘ Und daraus stammt auch der folgende Clip zu ‚Spielverderber‘.

09. Bettina Wegner – Kinder
Frau Wegner hatte nur einzelne Freunde im Kunstkomitee. Die Stasi klebte schon früh an den Fersen ihrer kommunistischen Gedanken, ließ Freunde und die damalige Schauspielstudentin samt Neugeborenen verhaften. Mehr Informationen dazu findet ihr hier. Unter ständiger Überwachung gelang es ihr als Songschreiberin bekannt zu werden, neben einer deutschen Version von
‚No Woman No Cry‘ wurde sie über die Grenzen hinaus mit dem bewegenden Song ‚Kinder‘ bekannt. 1983 gelang ihr die Flucht aus der DDR.

08. Jürgen Kerth – Oh wie würd‘ ich euch beneiden
Mit Verboten kennt er sich aus. Seine Jugendband ‚Spotlights‘ wurde erst unter Aufforderung von oben in ‚Rampenlichter‘ umbenannt und 1966 verboten. Ein paar Jahre später gründet er seine eigene Band. Der Rock-Blues-Musiker, der auch dem Reggae nicht abgeneigt ist, lässt die Gitarre nicht mehr los. Nach dem Mauerfall darf er endlich auch die Bluesheimat-Locations in den USA bespielen. Seiner Zeit voraus ist Herr Kerth eigenständiger Musiker geblieben, bis heute. Und wenn man dem jungen Thüringer so zuhört, erkennt man die Wurzeln eines Cluesos und, dass Freiheit im Herz anfängt.

07. Keimzeit – KlingKlang
Gehasst und geliebt. Allein der Name wirkte polarisierend. Wäre Kurt Cobain in der DDR geboren, hätte er genau diese Band gegründet und wäre wohl ein wenig mehr so wie Nobert Leisegang und seine drei Geschwister.
„Guten Tag, zweimal bis nach Feuerland, bitte – das Schiff ist leicht entartet“
Als ich feststellte, dass dieses Lied nur schwer über die ehemalige Ost-West-Grenze schwappte, obwohl ihre Lieder erst nach der Wende offiziel auf Platte erschienen, lies ich mich auf den Wunsch eines West-nach-Ost-Zugezogenen nach einer Reggae-Neuauflage ein. Ursprünglich als private Aufnahme gedacht, steckte ich später noch Andreas Wendland und Jr. Blender mit der Idee an und so landete meine KlingKlangVersion mit Genehmigung von Nobert Leisegang auf meinem Album. Immer noch WOW!
Keimzeit sind bis heute aktiv und ‚KlingKlang‘ ist auch nicht annähernd repräsentativ für das musikalische Textwerk, welches Menschen seit 1980 tief bewegt. Mit der Wende kamen auch die ersten Videos wie zu ‚Flugzeuge ohne Räder‘. Mittlerweile gibt es ein Ballettstück namens ‚Keimzeit‘ und das neue Album ‚Auf einem Esel ins All‘ stieg 2015 auf Platz 97 in die Albumcharts ein. Da geht noch was!

06. LUCIE – Die kleine Insel
Es gibt sie, die Raritäten der Ostmusikvideogeschichte. Und im folgenden zeigt sich die Mentalität der DDR-Gesellschaft sehr klar, und warum es nicht so einfach war ein Musikvideo zu drehen. Man hatte halt außer seinem Erfindergeist und glücklichen Zufällen nicht viel Startkapital, und das nicht nur materiell gesehen. 1981 hieß die Band ‚Lucifer‘ und wurde unter anderem von Gunther Wosylus produziert, der vorher bei den Puhdys am Schlagzeug gesessen hatte. Mit der Umbennung 1984 in ‚LUCIE‘ klappte es dann auch mit Auftritten im Fernsehen, Ausland (Bulgarien), Radio und Video und ich möchte meinen, mit etwas Reggaegefühl!

05. Stern (Combo) Meißen live 1986
Im platzierten Video sehen wir Ralf Schmidt alias IC Falkenberg.
So hab‘ ich die Band erlebt, unter anderem live im Leipziger ‚Haus Auensee‘. Diese rote Hose, unglaubliche Frisur und ein bisschen wie vom anderen Stern. Allerdings war er nur einer von vielen Leadsängern, die die Band seit ihrer Gründung 1964 bis heute begleiten. Konzeptalben über die Entstehung des Meißner Porzellans (Weißes Gold) oder die vier Jahreszeiten werden veröffentlicht. Man reist gedanklich in den Kosmos und wieder zurück, alles im Dienste der Musik. Diese Bandgeschichte ist filmreif, ach was, sie ist serienreif.
Hier ist das Video zum Gastauftritt im Ausland mit roter Hose, der George Michael der DDR mit Stern Meißen und FRISUREN!

Einer der prägendsten Bandmitglieder war Reinhard Fißler, auch der „Seelensänger“ genannt. Er lebte die letzten Jahre bis Februar 2016 mit Muskelschwund. Ich möchte euch noch dies mit ans Herz legen, wenn ihr mal die Muse habt.

04. Silly – Battalion D’Amour

Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Die Zeit will gelebt werden.
Was für ’ne großartige Frau: Tamara Danz. Die früh verstorbene Powerseele war sich nicht zu fein, nicht zu schade die Grenzen des Machbaren zu erkunden. Ihre Songs voller Tiefe und Hilfeschreie. Emanzipiert gelassen ging sie für viele Frauen mutigen Schrittes voraus und erhob stellvertretend für viele Menschen ihre Stimme. Dazu stärkten ihr die Band den Rücken, den sie dafür brauchte. Ich dachte als Kind eine Zeit lang, sie und Bonny Taylor wären eine Person. Mittlerweile hab‘ ich das Verständnis, dass Tamara Danz sie selbst und keine Kopie war. Heute spielt die Band mit Anna Loos. Es ist immer noch gute Musik mit großem Publikum und zeigt um so mehr, wie einmalig Tamara Danz war und ist. Unsterblich rau auf ihre Art und Weise.

03. Helga Hahnemann – Medley 86
Wo wir bei unsterblich sind… Für mich eine der größten Entertainerinnen des Ostens und leider zu früh von uns gegangen.
Die goldene Henne wird heute in Erinnerung an sie verliehen. Ihre Bühnenpräsenz ist bis heute bewundernswert und irgendwie unerreicht. Mit Menschennähe und Berliner Schnauze unterhielt ‚die Henne‘ die DDR mit ‚Ein Kessel Buntes‘ und ihren Muggen. Zwischen Sketchen und Musik war sie für die breite Masse die Königin der Unterhaltung. Angefangen hat sie als Schauspielerin, dann stellte sie auf der Kabarettbühne der Leipziger Pfeffermühle fest: die „300 Leute interlektuell zu bedienen“ ist ihr zu langweilig und zu elitär und so landete sie im Friedrichstadtpalast Berlin und beim Fernsehen. Freche Kommentare, geradeaus und auf Risiko, einfach war es nicht, nur ihr Vermächtnis um so größer.

02. Chris Doerk und Frank Schöbel – Heißer Sommer

Der Sommer ’68 war ja Ost und West gesehen ein heißer Sommer. Mit Politik hatte der Film aus der DDR, der die Jugend entzückte, offiziell nicht viel zu tun. Ok, Emanzipation und Moral verknüpft mit Schlager, Mode und Trend. So löste Chris Doerk eine Kurzhaarfrisurwelle aus und Frank Schöbel Sympathie für Lockenköpfe. Der Film glänzt durch Farben, Ostcharme und Choreografie sowie dem bezaubernden Hauptdarstellern, ein Traumpaar.
Gedreht wurde wie im Musikvideo zu sehen in Leipzig und vor den Kreidefelsen auf Rügen.

01. Possenspiel – Sommer, Sonne, Sonnenbrand
Denn der Leipziger hat seinen Sommer nicht hauptsächlich in Leipzig verbracht und der DDR-Bürger nicht in Städten. Lieblingsziel, und so war das auch bei meiner Familie und ist es bei mir heute noch: die Küste. Und wenn man Ausdauer hatte, war einem ein Zeltplatz, Freunde und bekannte Campingnachbarn auf Rügen sicher. Andere zog es nach Ungarn. Dabei lagen die Vorteile der Ostsee klar auf der Hand. Liedkabarett war gern gehört und mich wundert es, dass es so geduldet war, wie auch das FKK-Baden. Auf meinem Platz Nummer Eins ein eher „harmloserer“ Song von Possenspiel, der bei uns ganzjährig lief und heute noch mindestens einmal im Jahrzum Thema Urlaub!

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Veröffentlicht von

520universum

Hier schreibt, fotografiert und singt das 520 Universum über das Leben, dich und sich selbst. Für die Menschen, die gern zwischen den Zeilen lesen.

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