In meinem Garten – Was die Krähe sagte

In meinem Garten – Was die Krähe sagte
Kurzgeschichte von Manja Kendler, 2016

Das Rosarot gab es nicht. Es hing an der Wand, deiner alten Wohnung und es brauchte: vier Wochen und drei Monate es zu überstreichen. Die anderen Frauen spielen keine Rolle mehr sagst du, damals taten sie es und ich habe hart gekämpft, um sie ihrer Macht zu entmachten um sie dir zurückzugeben. Es waren nicht meine Felder, mein Kampf, aber ich habe ihn für dich geführt.
 Überhaupt … Wollte dir Raum und Platz geben, zwischen all den verbrannten Feldern war dieser Garten frei. Eine kleine Hütte und viel Natur. Freiraum zum herum tollen, hier wollte ich mit dir heilen, an deiner Seite verweilen. Du wusstest der Sonnenuntergang war schon längst bezahlt. Es war dir ein leichtes vorübergehend den Herbst zu nutzen und im Winter wären wir fast erfroren.

Ich webte eine Decke für uns ich bestickte sie mit Heldensagen und Wünschen. Nannte sie ‚Die wachsende Liebe‘. Ich stickte Knospen hinein und zeigte dir die wunderbaren Blüten, aber auch wo man vergaß zu gießen oder es zu viel tat. Ich bat dich respektvoll, behutsam damit umzugehen. „Mach dir doch keine Sorgen!“, sagtest du und hast mir wie ein Kind die Haarsträhne zurecht gezupft und dabei selbst so ängstlich gewirkt. Versprechungen: ich mach das, ich kann das, hätte das, würde ja das. Warten. Lechzen nach Zuneigung, Liebe und Sonne. Es ist zermürbend, tut weh. Hab nie verstanden wie Menschen sich das antun. Und plötzlich wird Nähe zur Illusion und umgedreht.

Im Garten steht ein Turm. Ich habe Mühe den Eingang zu erklimmen, wir reden. Ich von Hoffnung du von Schwierigkeiten, ich von Schwierigkeiten und du von fehlender Hoffnung. Meine Augen laufen Unterwasser, du sagst es tut dir leid, ich wäre nicht schuld aber es sei doch schön hier, ob ich nicht bleiben will und wenn nicht, … dann solle ich doch einfach gehen. Oft hab ich darüber nachgedacht zu gehen, ich hab mich stets für das Bleiben entschieden. Es ist mein Feld, mein Garten, nicht aber meine Mauern. So einfach gebe ich nicht auf. Mir scheint ich hab keine Felder mehr frei und ich mach mich auf, ich kümmer mich um Unkraut. Ich zupfe. 520 Tage zupfen, Rückenschmerz und Millionen Ideen. Ich wünschte mir du kämest, würdest mich liebevoll in den Arm nehmen und sagen, dass ich dies nicht tun soll. Du kommst, bist wirsch, emotional erpresst und zeigst mir einen Streifen um deine Burg. Ich glaube zu verstehen und ich beginne. Mit einem Holzlöffel bearbeite ich den Granitboden. Ich bin der beste Gärtner in meiner Welt, ich will etwas Wunderbares dir hier zaubern. Magische Gräser da und weiches Moos dort. Süße Früchte können hier entstehen und dort hinten da wurzeln die Vorräte. Der Löffel splittert, aber ich komme vorwärts. Ich dreh mich um du bist nicht zu sehen unter sengender Hitze arbeite ich mich Meter um Meter, in Abständen reichst du mir Wasser. Zwei drei Male musste ich darum betteln. Ich arbeitete und schlief erschöpft ein.

 Meine Gärten ich hab sie lange nicht gesehen, also bitte ich dich um einen Ausflug. Du willigst ein. Unterwegs werden wir von Dornen gestreift und Verwilderung, ich zeige dir meine seltenen Pflanzen … du willst sie auch haben in deinem Garten. Ich sag die Dornen sind hinderlich und man müsse aufpassen ihnen nicht zu viel Platz zu geben. Du warst fasziniert Hatte ja keine Ahnung. Ich träumte von unserem Ausflug vom silbernen Horizontstreif und unserem Garten. Meine Hülle schlief unheimlich lang, ich war erschöpft.

Eines Morgens erwachte ich und mein Körper war verzerrt von Hunger. Doch egal was ich auch zu mir nahm und einverleibte, ich spürte den Schmerz der Leere. Ich erinnerte mich an Liebe und beschloss zu ihr zu laufen, sie zu fragen: ob sie nicht helfen könne.

 Von all meinen Gärten und verbrannten Feldern, thronte eines von weitem. Es war besetzt von einer riesigen Festung. An den Mauern klommen Rosenwälder empor, mit den größten Dornen die ich jemals sah. Sie ragten in alle Richtungen und nahmen mir das Sonnenlicht. Ich stand, mit meinem restlichen Holzlöffel, völlig steif vor den Grenzen. Da wo ich seinen Garten neu errichten wollte, vor ein paar Tagen, war ein riesiger Graben mit Wasser gefüllt. Ich setzte mich hin und fing an es auszuschöpfen, doch meine Tränen füllten die Stelle erneut. Ich wollte ertrinken in den schwarzen Fluten, ich wollte, dass sie mein Herz umspülen und es aufhört weh zu tun während ich mich an den Dornen rieb. Zerschunden und durchnässt stand ich irgendwann vor dir, zwischen Mauern. Ich sah deine Steine, meine Steine.
Ich fragte nach meinem Zimmer in dieser Burg und du meintest es hätte kein Fenster. Du würdest ja eins einschlagen können aber ich hätte den Holzlöffel kaputt gemacht. Langsam spüre ich die Splitter seines Holzes in mich dringen. Durchdringen. Ich versuche die Mauern mit letzter Kraft einzuschlagen. Nicht dein Garten. Nicht mein Turm doch du bittest mich fair zu sein.

Ich gehe. Ich bin nicht sicher wohin,  mein Kampf hier ist vorbei.

Ich schleppe mich zum Ausgang und eine Krähe sitzt am Tor. Sie mustert mich und spricht. „Kraaaah Du schönes Kind so zerrupft und schmachtend nach Liebe, Du Verschenker deines Reiches, wer hat da okkupiert Krahhhh du hast doch nicht umsonst die Gärtnerei studiert. Kraaaah und wer da Mauern bauen will Kraaaaah der hatte halt ein anderes Ziel. Krahh. Das hier ist kein schöner, liebevoll gestalteter Garten – dies sind Mauern … Liebesentzug auf Raten.“

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Veröffentlicht von

520universum

Hier schreibt, fotografiert und singt das 520 Universum über das Leben, dich und sich selbst. Für die Menschen, die gern zwischen den Zeilen lesen.

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