Lieber Vulkanier, ich sehe das Glitter im Glas…



Lieber Vulkanier, ich sehe das Glitter im Glas…


Kurzgeschichte von Manja Kendler, 2016
Bleib in der Höhle ich geh in meine. Bloß nicht zu schwere Themen. Lass uns nicht ignorieren, wo uns so gesehen die Welt zu Füssen liegt, wir aber noch unser Leben auf die Reihe bekommen müssen. Nur eine schlechte Droge. Du & und irgendwie, irgendwann ich. Davon kommt man los: mit eiserner Disziplin, Willenskraft und Ersatzpartner. Doch wenn du Pech hast, brennt es sich ein. Du musst früher oder später sobald dir jemand nahe kommt deine scheiß Narbe zeigen.

Es ist okay ich stehe unter Schock … Der Glitter im Glas er fliegt und bildet eine Wand aus Metall. Gold funkelt bedrohlich aus der Sicht. Es ist überall, dreht sich, wirrt und quirlt – es dreht sich. Es ist undurchdringlich. Gestern war die Sicht nicht frei, vorgestern nicht und vor einer Woche war es noch klar. So war jenes richtig schön: ein Bad im Lustgarten und satt an Farben. Erfrischend hoffnungsvoll durchzog mich der Mut. All das Vergangene, Vergangenheit sein zu lassen, neu anzufangen wie ein neugeborenes, hüllte ich mich in die Vorstellung einer Beziehung die ‚IST‘, nach langem werden. Ich war verletzt aber glücklich, zuversichtlich das Alles heilen würde, nun endlich und für immer. Das ich es verdiene, der harte Kampf sich endlich auszahlt. Wir waren uns so nah wie nie zu vor und gleichzeitig so fern wie noch nie.

Ich dachte immer nur das wären Songzeilen, die so klingen weil sie so tief gehen. Es geht so tief, das sie so klingen. Wie Klingen. Konnte den Wiederholungsschock der mich am nächsten Abend(zug) einholen würde, wirklich nicht mit einberechnen. Nicht in meine Gefühlswelt.

Und doch kam er. Schnell, unerwartet tief, wie ausgerutschte Rasierklingen

Vulkanier
Das Fleisch teilte sich
Lebensfluss erstickt im Überdruss
nach Lava, Berg erlischt?

Und irgendwann wächst neues Gras und eine andere Geschichte. 
Ich hab am Vulkan gestanden. Da wo geschmolzene Lava unter meinen Füßen kantig und porös nichts außer schwarz rote Steinwüste hinterlässt… warnend vor dem einst Geschehenen. Treten Sie ruhig dahin, da wächst nichts mehr. Vielleicht stand ich auf deinem Berg und Vulkangestein. Ich höre wie mir seit Monaten Menschen zurufen ’Komm runter da, im Tal bist du sicherer!‘ doch ich liebe diesen Vulkan. Habe versucht nicht abhängig zu sein, frei zu sein, mental und jederzeit zur Flucht bereit, wenn der Vulkan röchelte. War es dann nicht. 

Ich rannte vor den Lavaspritzern, baute mir ein Schutzschild aus Emaille und interpretierte die Bilder, die dabei entstanden. Oft wollte ich mit dem Vulkan reden, ihn überzeugen, dass man ihm vertrauen kann. Wollte mich überzeugen, dass ich ihm vertrauen kann. Wollte alle überzeugen, dass man ihm vertrauen kann.

Alsbald erinnerte ich mich auch, was es bedeuten muss, dieses: Vulkan sein. 
Ich bin auch einer, dachte ich und schlief seelenruhig wundervolle Nächte im Stillstand. Jetz bin ich Vulkan und Lava. Gestein schleudert aus mir heraus. Implodiere und explodiere, wusste nicht das beides geht. Ich sterbe oder lebe, ich weiß nicht wie mir passiert.

Transformationen, nennen es die Menschen. Von Raupe zu Raupe und zwischendurch nur gallertartige Masse, unwissend was kommt. Ich kann mich nicht mehr bewegen, fühle noch: wie eine Motte im Spinnennetz langsam eingewebt wird. Man flattert noch, man flattert, flattert dann wird einem klar es hat immer weniger Sinn. Schau dir die Motte an und denke: Ich weiß was kommt! Du vergehst du wirst vielleicht neu geboren, aber du musst dich verabschieden und loslassen. Die Spinne frisst dich vielleicht nicht doch sie befreit dich auch nicht. Ich schau zu dem Vulkan und denke ein gezielter, guter Schuss Lava… der wäre die Erlösung doch zweierlei. Einer, könnte das Leben der Motte beenden direkt hier, jetzt. Ein anderer, das Spinnennetz durch fackeln.

Ach, könnte sich die Motte doch selbst befreien oder ich sie. Bloß nicht Motte sein. Bin ich Motte? Gibt es Netz? Mit doppeltem Boden? Kann ich mich hier fallen lassen? Der Berg schweigt. 

Ich höre mein Herz brechen, immer und immer wieder. Heule, weil ich nicht weiß wie ich das jemals zusammen puzzeln soll. Will es so nicht sehen, es ist Glitter im Wasserglas und liegt nun am Boden. Der Blick wird klar und alle Farben grau. In der Mitte ein Berg. Ich bin alles und nichts. Du sagst: Das ist Leben, ich fühle mich wie Abschiedsbriefe schreiben … 
Lieber Vulkanier,
… will nicht irgendwas… irgendwann sein, ich bin und Du auch.

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Veröffentlicht von

520universum

Hier schreibt, fotografiert und singt das 520 Universum über das Leben, dich und sich selbst. Für die Menschen, die gern zwischen den Zeilen lesen.

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