In meinem Garten – Was das Alien fragte

In meinem Garten – Was das Alien fragte
Kurzgeschichte von Manja Kendler, 2016

Der Tag war gerade zu Mittag getapst und ich sann den Bienen bei der Arbeit hinterher.
Saß da in meinem Garten, beobachtete und schickte meine Gedanken mit den Wolken fort. Dabei wurde ich jedoch scharfäugig anvisiert.
Neben mir hing, kopfüber ein Alien an der Palme. Es hatte drei lange Tentakeln die sich um den Palmenzweig kringelten und fiel fast nicht auf. Graugrün und glatt starrte es mich an. Es zwinkerte aus seinen drei Augen. Wobei es kurz seine drei Lidschichten, pro Auge schloss. Drei mal drei macht neun, dachte ich und winkte ihm zu.
„Bist Du Jesus?“, fragte mich das Alien. Ich schüttelte den Kopf.
„Dein Garten?“, fragte es erneut.
Ich nickte unsicher was als wie dieses Gespräch weitergehen sollte.
„Gib mir mal die Gartenschere!“, forderte es mich auf.
Ich überlegte nicht lange und reichte dem Wesen mein Werkzeug.
Schnipp. Schnipp. Schnipp. Schnitt sich, das Alien, die Tentakeln durch und plumpste neben mir in Gras. Aus den restlichen Tentakelfüßen tropften nun rosa purpurne Schleimfäden an der Palme herab.
Wie Erdbeergelee mit Glittereinlage.
So schüttelte ich weiter den Kopf und fragte das Alien welches erneut neun mal neun blinzelte:
„Ja sag mal, bist Du Jesus?“ – „Bist Du gläubig?“ – „Ich glaube ja, … eher nein!“ – „Also doch!“
Wir schwiegen eine halbe Stunde und ich fragte mich ob es das überleben wird.
„Schön hier!“ begann es erneut mit mir Kontakt aufzunehmen. Dabei hielt es den tropfenden Tentakelstumpf auf meine Blumen. Ich nickte.
„Ich will auch sowas da!“ schrie es plötzlich laut und dabei zeigten diesmal alle drei Tentakel auf die purpur rosa betropfte Palme.
„Für meine kleine Alieninsel und meine Alienfamilie.“
Ich versuchte mir vorzustellen wie diese aussahen, was sie wohl den ganz Tag machen, wie sie alle an der Palme hängen – wie Affen. Das Affen von den Aliens abstammen und wie ich mein Gartenhäuschen in purpur-rosé ein tünche.
„Jedes Alien hat seine Insel und da sähe sowas sehr hübsch aus, sag ich dir.“ – „Ja kann ich mir vorstellen, jeder Mensch hat auch einen Garten und da sieht es ja auch manchmal so hübsch aus, dass man sich glatt daran hängen möchte, nicht?“
So beschloss ich dem Alien eine meiner Kokosnüsse zu geben.
„Hier leg sie auf deine Insel und habe Geduld!“
Oh was wurde der Enttakelte böse. Er drohte mir mit der Gartenschere. Verglich mich mit einem *Autarker. Nannte mich einen einäugigen Schlummbart. Eine kleine Botanikerhexe. Ich lächelte milde. Er verstand ja nur nicht. Aus seinen Tentakelstumpfarmbeinen schossen weitere Spritzer rosa Schleim und bald war nur noch mein Blumenfeld frei und die Bienen empört, bei der Arbeit gestört.

„Hör mal jetzt ist gut! So läuft das nicht bei mir. Geh dich woanders austoben, ich wollte dir ein Geschenk machen und du benimmst dich wie ein Alien im Garten!“ Verdutzt schauten wir uns an. Dann weinte das Alien bitterlich. Ich verstand so langsam das es sich verlaufen hatte, die Alienfrau abgehauen ist und wahrlich nicht jedem da wo er herkommt eine Insel oder Alienfamilie zustehe. Es hätte mal vor langer Lichtjahre hier Jesus getroffen und der wusste damals die Richtung die er nehmen müsse. Irgendwann verstummte es.
„Aber, die Richtung ist genau dieselbe wie damals!“ stellte ich fest.
„Hör doch einfach auf wegzulaufen … Nimm die Kokosnuss und pflanze sie in deinem Garten. Du wirst sehen, bald hängt an deiner Palme die Alienfamilie. Schneide dich nicht selbst ab! Hör auf dein Herz!“ – „Dein was?“ – „Herz, das was da schlägt. Moment hast Du keins?“
Wie dumm von mir anzunehmen alle Lebewesen hätten ein Herz. Wie sollte ich das jetzt dem Fremdplanetler erklären?
„Drei! Ich habe drei Herzen! Eins für die Kinder und eins für die Frau! Eins ist übrig!“
Es war schwer zu verstehen wie das funktionierte aber es ergab Sinn.
„Übrig? Vielleicht nutzt du es einfach für dich und deine Fragen?“
„Bin ich Jesus?“ fragte es mich. „Ja, ich glaube schon!“ war meine Antwort
„Wirklich schöne Blumen hier!“ sagte das Alien und verschwand.

*Autarker – Lebewesen vom Planeten Autark, leben im Freien von Luft und Liebe. Jedes Autarkerwesen besitzt zwei Schaufelarme und ein Plattstumpf, zweigeschlechtlich… kann sich eigenständig fortpflanzen was meistens nicht geschieht Feinde der Autarker: Entertainer und Massenhysteriker, Chemtrails und Biber.

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Veröffentlicht von

520universum

Hier schreibt, fotografiert und singt das 520 Universum über das Leben, dich und sich selbst. Für die Menschen, die gern zwischen den Zeilen lesen.

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