In meinem Garten – Das Verstummen der Eulen

Kurzgeschichte von Manja Kendler

Im Wasserglas ein Sturm mehr. Ich wand mich zwischen Zementkrumen, der Rücken zerscheuert. Da wo anderen Flügel wachsen, tiefe Striemen. Der Bambus lächelte weise und ich musste nie zurücklächeln, ich gab ihm auf meine Art und Weise zu verstehen, noch nicht bereit zu sein. Er erinnerte mich daran, den Schmerz anzunehmen.

Währenddessen schimpfte die Eule, draußen vor den Felswänden, wie erbärmlich diese Szenerie anmutete. Ich mochte die Eule nicht, ich blendete sie regelmäßig hinter bunte Lichter, mitten in die lodernde Dunkelheit. Ich konnte ihren Text auswendig, ich kannte jedes Geräusch, welches aus meinem Garten unter die Erde kroch.

Bis zu diesem Tag, als ich zwischen Eulengeschrei und Krähenlachen, das Gartentor vernahm. Schlagartig verstummte der ganze Ort. Mein Herz schlug mir im Hals, bis auf die Lippen. Zitternd tastete ich nach dem Bambus, er war anscheinend verschwunden. Die Schritte hallten dreifach durch den Boden. Mein bleiernes Grab schien mir porös. Direkt über mir hielten sie inne. Ich erkannte seine harsche Stimme, lange hatte ich sie nicht mehr vernommen und doch war sie alleben gleich erschütternd, wie Spatenstiche mitten in die Seele. Ein Brand durch den Körper lies mich weiter schauern. Ich kannte die Worte in ihrem Gewand. Er war nicht allein. Er sprach von seinem Garten und davon, dass nie jemand zuvor mit ihm hier zu Besuch kam, ich zersplitterte in 520 Teile.

Er tat ihr leid, ich konnte es spüren, ich war einst an ihrer Stelle. Sie würde ihn in ihren Garten geleiten und ihm eine Hütte bauen wollen, ihm versuchen die Sehnsucht zu füllen und daran zerbrechen. Noch standen sie hier, mitten in meinem Garten. Über mir. Auf mir. Sie waren mir zu schwer, der Steinhimmel drohte, über mir zu zerbrechen. Erneut tastete ich, suchend nach des Bambus Wurzelhalt.

War Heilung hier überhaupt möglich? Hatte ich mich selbst betrogen und mir gar eine Falle gestellt. Er sprach von irgendeinem Morgen, als ob es nie ein Gestern gegeben hatte. War ich hier sicher? Der Boden vibrierte, um mich, gegen mich und mein Zittern. Der Schmerz zog sich, wie einzelne Metallfäden, durch meinen Körper. Ein inneres und äußeres Gefängnis. Im Verbrechen gebrechen. Ein Eisenofen aus Stein. Die Zeit, einst mein Freund, nun mein Feind.

Panik ist kein guter Ratgeber, doch ich brauchte dringend einen Ausweg. So nah am Tod, so fern vom Leben. Ich wollte, ein Weltmeer bewegen und sah in der Dunkelheit nur noch die Spirale der Höllenhunde, dem Hasen in die Unterwelt hinab hinterherjagen. Die Eule war seit dem Eintritt der Finsternis verstummt. Aushalten. Putz in meinen Mundwinkeln. Seltsam staubig, kalkig lag das Gemisch mir auf der Zunge, gleich neben meinem Herzen, ich spuckte beides in die Dunkelheit. Halt ich das aus? Kann ich halten, was mich vergrub, bedroht und hier eingesperrt vergessen hat? Das Schweigen ließ mich die Luft anhalten, erstickend eng und aussichtslos betrachtete ich meinen eigenen Untergang. Mein Garten war mir kein Schutz, das Tor stand offen und ich lag gefangen zwei Meter tief im Boden der Tatsachen.

Ich spürte, wie der Bambus sanft seine Wurzeln in meine leeren Wangen schob, und vernahm seine Worte im Delirium. Er sprach von Transformation. Ich verstand jede Silbe.
Und dann spürte ich die Ruhe und die Zeit des Abschieds nahen. Ein letztes Mal ätzte mir, der Staub die Lungen voller Erinnerung dann war meine Zeit gekommen. Ich würde nie hier hinaufsteigen, wie Hunderte Nächte zuvor ausgemalt, in den schillerndsten Farben.

Es war das gemalte Ende, wie einst die Happy Elends einer Zugfahrt zu zweit, mit nur einem Ticket. Mein Bein schmerzte, mein Bauch zerrte. Die Seele zu satt, um zu essen zu hungrig, um weiter einfach liegen zu bleiben. Auszuhalten war hier nichts mehr. Noch nie war meine Angst so geballt unter meiner Haut, jedoch wusste ich nun von einem Garten, größer als alle zuvor. Der Bambus würde Felder bilden und die Grenzen würden geschützt im Horizont liegen. Unzählige einmalige Blumen werden sich sammeln, werden blühen, vergehen wieder auferstehen. Ich werde mich versöhnen mit Mutter Natur, werde an ihrem Busen Rotz und Wasser heulen, bevor ich von ihr im Mondlicht zur Kriegerin geschlagen, zu meiner Mission starten werde. Freiheit, dachte ich einst wäre da zu liegen und seinen Herzschlag zu hören.

Freiheit war Illusion und nun war es Zeit diesen Körper und dieses Feld, zu verlassen.
„Bis gleich“, hauchte der Bambus und ich nutze den Bass in seiner Stimme und löste mich endgültig in seiner Schwingung auf. Dunkelheit ein. Licht aus.

Creepy END?!

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Veröffentlicht von

520universum

Hier schreibt, fotografiert und singt das 520 Universum über das Leben, dich und sich selbst. Für die Menschen, die gern zwischen den Zeilen lesen.

Ein Gedanke zu “In meinem Garten – Das Verstummen der Eulen”

  1. Freiheit ist sich selbst eine begründete Vorstellung von dieser Welt zu machen, indem man Urteile aufstellt, Vor-Urteile nochmal neu betrachtet und sich alte Irrtümer eingesteht, denn die Wahrheit ist relativ.
    Freiheit ist auch Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, welches aus der eigenen Vorstellung resultiert.

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