Verschwörungstheorien. Aus dem Leben einer Garderobenfrau – „Zuckerperlen für Einhörner, ein Affe und Bananenpreisspekulation“

Verschwörungstheorie themeManchmal ist einem so schlecht, dass man nicht mehr in der Lage ist einen Arzt zu rufen. Ich hatte mal so einen Tag, da wollte ich sterben, oder sagen wir, ich war am Sterben und wollte das es schneller geht. Ich bin ganze 12 Stunden gestorben. Ich hatte Dienst und ein Kunstprojekt namens Zuckerperle verwandelte den Club in ein Cartoonland. Einhörner flogen an den Wänden entlang, ein Goa-Drache hatte sich ein Wohnzimmer eingerichtet, Glitzerkonfetti durchstob die nassgeschwitzte, verrauchte Partyluft. Verschwörungstheorien. Aus dem Leben einer Garderobenfrau – „Zuckerperlen für Einhörner, ein Affe und Bananenpreisspekulation“ weiterlesen

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Verschwörungstheorien. Aus dem Leben einer Garderobenfrau – „Gute Besserung – wenn die Pharmaindustrie nichts verdient“.

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Blaumachen, das „Fuck you system“ der Arbeiter- und Strebergesellschaft.
Manchmal der Schutz vor Burnout, oder einer Depression. Manchmal das Leben, welches ruft: „Sieh die Welt mit Gottes Augen!“. Würde Gott freiwillig um 6:00 Uhr aufstehen und in den Spiegel schauen, während er sich schlafwandelnd Kaffee einleitet um dann 8 Stunden zur Arbeit am Fließband zu gehen? Oder in ein Büro? Würde er nicht einfach den Sonnenaufgang, die Natur und Wunder betrachten um aus und mit ihnen neue zu schöpfen? Statt Scheiße löffeln? Gibt es einen Gott und bräuchte der einen Krankenschein? Ich brauchte mal so einen Schein. Verschwörungstheorien. Aus dem Leben einer Garderobenfrau – „Gute Besserung – wenn die Pharmaindustrie nichts verdient“. weiterlesen

Verschwörungstheorien. Aus dem Leben einer Garderobenfrau – Arbeitsbeginn 21:30 Uhr

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Touristisches Reiseziel mit 8 Buchstaben in Italien… Gardasee. Das wäre es jetzt, eine schöne Pizza Quattro Salami und ein gemütlicher Blick auf das Wasser. Stattdessen wieder eingesperrt hinter dem Tresen, 4 qm, mein Kreuzworträtsel und circa 188 Jacken werden auch heute wieder mit mir auf Tuchfühlung gehen, nein, nein, das ist nichts Erotisches, das meine ich wörtlich, denn wenn erst mal jemand sein Tuch vermisst, suche ich dann in den Jacken hängend einen glücklichen Ausweg für alle. Handys, Kondome, Beziehungen, Tagebücher, was ich schon alles wieder ans Clublicht beförderte. Heute würde es nicht einfach werden: Poetryslam und ein DJ aus Berlin. Verschwörungstheorien. Aus dem Leben einer Garderobenfrau – Arbeitsbeginn 21:30 Uhr weiterlesen

Verschwörungstheorien. Aus dem Leben einer Garderobenfrau – Darf ich mich vorstellen?

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Ein paar Worte zu mir.Meine Mutter hat mir beigebracht mich vorzustellen. Meist hat sie nur eine brennende Frage zu neuen Bekanntschaften. Sie beginnt mit einem hinterfragenden „Und?“, dabei zieht das „U“ eine gefährliche Schlucht zwischen Respekt und völliger Verachtung. Man(n) hängt quasi zwischen den Seilen. „Und, was macht er/sie so?“ Den Tag, an dem ich dann antworte: „Oh, Mutter, wundervolle Kunst aus alten Blechdosen, deliziöses Pesto mit handgemachter Pasta, er faltet Kraniche und Schiffe und denkt sich Gedichte aus dem Stehgreif aus und abends mixt er mir sahnige Cocktails und besorgt er mir es so, dass ich immer gut schlafe.“, der wäre schön. Dieser Tag setzt allerdings voraus, dass meine Mutter nicht meine Mutter wäre. Was macht er, heißt auf schwäbisch: „Und was tut er schaffe?“, und das trifft es wohl ganz gut. Sagt man dann: „Drei Yogakurse am Tag und ehrenamtliche Mitarbeit im Verein zur Rettung der Bäume.“, ist dies nicht immer maßgebend für ein erfolgreiches Leben oder Häuslebaue, zumindest nicht für meine Mutter.
Dabei ist es so, in meiner Generation findet man so viele Quer-, Auf-, Ein- und Absteiger, dass es schwierig wird, Menschen nach ihrer aktuellen Arbeitslage zu bewerten. Überhaupt, wann hat das angefangen – dieses Werten?
„Du bist, was Du isst“, wollte ich letztens auch dem Praktikanten bei der Tafel zurufen. Da kam er mir mit: „Heute nur Bananen!“, zuvor. Die alte Frau hinter mir meinte: „Nee, das hat´s früher im Osten nicht gegeben!“. Ich stimme ihr zu und nehme dankend meine abgelaufenen Bananen entgegen.

Auf jeden Fall ist mir das „Was werden Wollen“ in die Muttermilch gegeben wurden und es wirkt so gut, dass ich lieber mehr von dem „Was Sein“ ab gehabt hätte, was es ja augenscheinlich auch gab und nach dem wesentlich mehr Nachfrage besteht. Früh fing ich an zu Träumen, wollte Schwimmerin werden. Noch heute kann ich Menschen mit meinen ausgeprägten Brustmuskeln beeindrucken. Gegen den Strom – immer noch ein Hobby. Dann kollidierte der Schwimmunterricht mit den Chorstunden, die mit den Ballettstunden, die wiederum mit dem Breakdanceunterricht, ein Teufelskreis. Wenn man mich gefragt hätte, was ich nicht werden wollte: Nachrichtensprecherin im Krieg, dies durchlebte ich immerzu in wiederkehrenden Alpträumen. Mein Pult war ein Schreibtisch, der mitten im Gelände stand und hinter mir brachen die Heere übereinander und überall Explosionen. „Guten Abend, meine Damen und Herren Boooom! 
“
Tierärztin fand ich toll, bis mich Willie biss. Willie war der Rauhaardackel meines ersten Schwarms. Archäologin fand ich interessant, aber immer zu schwer auszusprechen und der ganze Staub der Geschichte. Dann liebäugelte ich mit Meeresbiologie, bis zu meinem ersten Wadenkrampf im See. Meine Mutter drängte mich immer dazu was „Sicheres“ zu machen, wie sie gern sagte. Beamtenlaufbahn also. Für den Zoll war ich zu klein. Für die Bankkarriere fehlte die Skrupellosigkeit. Intuitiv entschied ich mich Krankenschwester zu werden – „zu emotional“ hieß es in der Ablehnung.

Okay, dachte ich, dann mach‘ ich einen Laden auf, verkaufe Platten, es folgte die Einführung der Mp3. Entwicklungshelferin, Schauspielerin, Model, Kindergärtnerin, richtige Botanikern, Journalistin waren gute Ansätze, aber kein dauerhafter Weg. Das Psychologiestudium besuchte ich zwei Wochen und offiziell vier Semester. Der Gruppentherapieansatz schreckte mich ab, nachdem ich innerhalb kurzer Zeit diagnostizierte, dass Elfriede von ihrem Onkel sexuell missbraucht wurde, Sven zwei Selbstmordversuche hinter sich hatte, die er selbst als „missglückt“ bezeichnete, Claudia hatte eindeutig eine Anorexie und der Rest lief bei mir unter Borderline und war auch irgendwie zum Kotzen. Mir wurde nachgesagt, ich wäre kurz davor Aluhüte zu tragen und unter uns, ja, ich war kurz davor, bei der genauen Betrachtung meiner Umwelt. Anzumerken wäre, ich habe die Namen geändert, denn wer möchte schon Dinge dieser Art über seinen Chef, Therapeuten oder Anwalt wissen? Ich zog es erst mal vor, diese nicht näher ergründen zu wollen, ungefähr zur selben Zeit zog der Gedankenaffe bei mir ein. Rot-oranges, zerzaustes Fell, immer ein Grinsen auf den Lippen bis auf den Tag, an dem er anfing merkwürdige Fragen zu stellen. Und so hab ich versucht Stewardess, Detektiv, Schmuckdesignerin, Friedensaktivistin, Call-Center-Agent, Prinzessin, Regisseur, Löwendompteur und Popstar zu sein. 
War Fotografin, Überlebenskämpfer und ab und zu Seiltänzer. Wollte es sein und für den Moment war ich es. Reiseleiterin und Räubertochter. Ich war mal Bandenanführerin, man nannte mich Indianer Plattfuß. Ohne Plattfuß, aber so war das damals im Osten. 
Und nun sitz‘ ich hier in meiner Garderobe und es ist nicht so, dass ich gleich auf die Bühne gehen würde. Nein, das mache ich nicht, ich schaffe genau hier, ich bin vieles, der Anfang und das Ende, ich bin die Garderobenfrau.

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